Die meisten Obstbäume, die in Mitteleuropa beheimatet sind, können am Spalier in Form gezogen werden.
Diese Form des Obstanbaus hat eine jahrhundertealte Tradition und das nicht ohne Grund, denn Spalierobstbäume bieten eine ganze Menge Vorteile gegenüber ihren freiwachsenden Genossen, aber natürlich auch ein paar Nachteile. Viele seltene Sorten, die ein südlicheres Klima zum Gedeihen benötigen, können auf diese Weise nämlich auch in unseren Breiten zum Wachsen und Reifen gebracht werden.
Die Vor- und Nachteile der Spalierform von Obstgehölzen:
- Zieht man die Bäume in Spalierform, so nimmt man sehr starken Einfluss auf die Wuchsform der Pflanze. Sie erhält über viele Jahre immer wieder einen Erziehungsschnitt und muß an ein Spalier aufgebunden werden, so dass die für Spalierobst typische Form erreicht wird. Dadurch bleibt der Baum zweidimensional und meistens kleiner.
Er braucht viel weniger Platz. Seine Früchte lassen sich aus diesem Grund viel besser beobachten und natürlich leichter ernten.
Um die gewünschte Wuchsform zu erhalten braucht man jedoch einige Erfahrung und vor allem Geduld, denn das richtige Schneiden ist eine kleine Wissenschaft für sich. Laut einigen alten Gärtnerbüchern gibt es dahingehend nicht nur deutliche Unterschide zwischen den Arten, sondern sogar die einzelnen Sorten benötigen unterschiedliche Schnitttechniken. In den ersten zwei Jahren sollte man nicht mit der großartigen Ernte rechnen.
Deswegen wird das Ziehen von Spalierobst häufig als "Liebhaberei" ein wenig belächelt.
- Spalierobstbäume lassen sich besonders gut an Mauern und Hauswänden ziehen, an denen man ein stabiles Spalier aus Holz oder Drahtseilen befestigen kann. Durch die Hauswand entsteht bei richtiger Ausrichtung zur Sonne ein sehr günstiges Klima für die Pflanze.
Sie wird vor Wind und starkem Regen geschützt. Die Mauer speichert Wärme, wodurch gemäßigtere Temperaturen entstehen, denn die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht regulieren sich besser in ihrer direkten Nähe. Deswegen reifen die Früchte im Schnitt drei bis vier Wochen früher wie an den freiwachsenden Exemplaren. Zudem gelangt mehr Sonnenlicht zu jeder Frucht, was sich meistens positiv auf die Reifung und das Aroma der Früchte auswirken kann.
Achtung bei Aprikosen: Sie blühen grundsätzlich sehr frühzeitig im Jahr. Durch die Wärmespeicherung der Mauer kann sich die Blüte zusätzlich noch verfrühen. Dadurch ist sie leider aber auch noch mehr der Gefahr von Spätfrösten ausgesetzt, die die Blüten vernichten würden und damit das Ausbilden von Früchten.